Dec
12
2010

Ist Dublin eine No-go-Area für Mietbootfahrer?

Die “Green-and-Silver-Route”  – der Triangle Grand Canal – Royal Canal – Shannon

Anfang Oktober wurde der Royal Canal in Irland nach langer Zeit offiziell wieder eröffnet. Er ist 146 km lang und hat 46 Schleusen, davon sind 10 Doppelschleusen. Der Kanal war offiziell 1961 geschlossen worden, nachdem 1955 als letztes Boot – soweit offiziell bekannt -, die “Hark”, ihn befahren hatte. Dass dieser historische Wasserweg nicht komplett zugeschüttet und eine Autobahn auf ihm gebaut wurde, ist vor allem der Royal Canal Amenity Group zu verdanken, die sich seit 1974 aktiv für eine Restaurierung eingesetzt hat.

Eine sehr interessante, informative und historisch bedeutsame Beschreibung einer Bootsreise auf dem Royal Canal findet sich in dem Buch “Green and Silver” von Tom Rolt. 1946 war Rolt mit einem Boot in Athlone auf dem Shannon gestartet. Über den 131 km langen Grand Canal mit 43 Schleusen erreichte er mit seiner Frau Angela Dublin, um dann über den Royal Canal zum nördlichen Shannon zurückzukehren und schließlich flussabwärts wieder den Ausgangspunkt zu erreichen. Die von ihm beschriebene Rundreise wird auch die “Green-and-Silver-Route” genannt.

Dieses Dreieck (Triangle) Grand Canal – Royal Canal – Shannon zu befahren, ist nun nach der Wiedereröffnung des Royal Canal wieder in greifbare Nähe gerückt, aber das Ganze ist so im Moment noch nicht wirklich möglich, jedenfalls im Moment noch nicht mit Booten, die den von Waterways Ireland zugelassenen Dimensionen entsprechen. Am Dublin-Ende des Kanals ist die Durchfahrtshöhe von 3 m eingeschränkt. Zwei Hebebrücken und ein Hochspannungskabel in geringer Höhe versperren die Durchfahrt in Dublin. Eine der Brücken Sheriff St. Bridge lässt sich nicht heben und hat nur eine Durchfahrtshöhe von 2,2 m.

Die Eisenbahnbrücke ließe sich zwar manuell heben, ist jedoch abgeschlossen.

Hier fehlt noch eine Vereinbarung, wie die Öffnung geregelt wird. Selbst mit einem Kanu ist die Durchfahrt hier zur Zeit nicht möglich. Die Durchfahrt ist blockiert.

Das schräg durch die Navigation verlaufende Hochspannungskabel des ESB begrenzt zusätzlich die Durchfahrtshöhe auf 1,37 bis 1,6 m.

Abgesehen von diesen noch zu lösenden und lösbaren Problemen ist am Scheitel des Royal Canal die ausreichende Wassereinspeisung im Moment noch fragwürdig. Aber auch das ist kein unlösbares Problem.

Nunja, schauen wir uns noch einmal Dublin an. Hier gibt es im Bereich beider Kanäle zugemüllte Abschnitte und Begegnungen mit Einkaufswagen im Fahrwasser oder von Müllsäcken oder Kleidungsstücken blockierte Schrauben sind nicht selten. Außerdem gibt es leider auch Sicherheitsprobleme am Grand Canal mit steinewerfenden Kids, die die Boote “entern” (nein die gehen in der Regel nicht zur Schule). Es ist daher verständlich, dass die Mietbootfirmen ihre Boote in der Regel dort nicht durchfahren lassen. Auf dem Grand Canal ist hinter Hazelhatch bei Schleuse 12 das Limit für Mietbootfahrer. Dieses gilt für die drei Mietbootfirmen (Barrowline, Canalways und Jennifers Travels) an der Barrow Line, die vom Grand Canal abzweigt. Einige Charterfirmen am Shannon (Silver Line, Waveline, Carrick Craft) lassen seit dem letztem Jahr wieder kleinere Boote in den Grand Canal, allerdings in der Regel nur ein kurzes Stück bis Tullamore.

Es ist zu bedauern, dass Dublin für Mietbootfahrer eine regelrechte No-Go-Area ist, wobei die Liegeplätze in Dublin selbst kein wirkliches Sicherheitproblem darstellen.

Was bleibt im Momment? Der Royal Canal ohne Dublin, wie der Grand Canal ohne Dublin bisher?

Auf dem Royal Canal selbst besteht eine Möglichkeit ein Boot von Royal Canal Cruisers zu mieten und an der 12. Schleuse Richtung Richmond Harbour und den Shannon zu starten. Aber eben nur in Richtung Shannon, obwohl man nur wenige Schleusen und Kilometer vom Stadtzentrum Dublin entfernt ist.

Wie sich die Mietbootfirmen am Shannon-Erne-Waterway zu dem Thema verhalten werden, da insbesondere hier Boote, die sich für den Royal Canal sehr gut eignen, vermietet werden, bleibt abzuwarten.

Eigentlich ist es aus der Sicht von Kapitäns-Handbuch nur eine Frage der Zeit, bis die letzten technischen Navigationsprobleme des Royal Canal und speziell die in Dublin gelöst werden.

Aus touristischer Sicht ist es äußerst beklagenswert, dass es trotzdem wahrscheinlich dann immer noch keine Möglichkeit für Mietbootfahrer gibt, Dublin per Boot zu erkunden.

Photos used with permission of the IWAI  Dublin.

1 Kommentar »

  • Das Interesse der Mietbootfahrer an den Kanälen hält sich aus meiner Sicht stark in Grenzen. CC und WLC haben nur eine Handvoll Bootsmieter gehabt, die in den Grand Canal wollten. Uns ist in einer Woche im Grand Canal nur ein Boot begegnet. Also weder Mietboote noch Privatboote sind dort in größeren Mengen unterwegs.

    Um das Dreieck zu fahren braucht es auch mehr als 14 Tage. Die wenigsten Bootsmieter sind länger als 2 Wochen unterwegs. Das Ganze ist also eher was für ein paar „Hardcore“ Bootsfahrer. Für die sollte es aber kein Problem sein, wenn denn die bautechnischen Probleme gelöst sind, eine Möglichkeit zu finden.

    Gruß
    Holger

    Kommentar | 13. Dezember 2010

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